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Patientenbild im Wandel

14 Sep 2016
·
von Karin

„Früher war unser Patientenbild bei Kopf-Hals-Tumoren geprägt durch die Risikofaktoren Alkohol- und Nikotinkonsum. Heute wissen wir, dass mindestens ein Teil der Patienten zu einem HPV-positiven Patientenkollektiv gehört“, berichtete Dr. med. Claudia Schmalz, Oberärztin der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, über den im Klinikalltag erkennbaren Wandel.

Therapeutische Entwicklungen: interdisziplinär und zielgerichtet
Diese geänderten Rahmenbedingungen stellen heute auch an Ärzte in Kliniken neue Herausforderungen. „An zertifizierten Kopf-Hals-Zentren werden Therapieempfehlungen heute interdisziplinär festgelegt“, erläuterte Professor Dr. Oliver Kölbl, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Regensburg. „Im Tumorboard wird der Patient einem Facharzt-Team u. a. bestehend aus HNO-Arzt, Mund-Kiefer-Gesichtschirurg, Radioonkologe und Onkologe vorgestellt und eine gemeinsame Empfehlung wird erarbeitet.“ Aufgrund von Zeitersparnis und geteiltem Wissen gilt die Einführung von Tumorboards bei der Behandlung von Hals-Kopf-Tumorpatienten als ein Gewinn für alle Beteiligten. Als „bahnbrechend“ für den therapeutischen Fortschritt bezeichnete Professor Kölbl die Bonner-Studie aus dem Jahr 2006 , denn sie führte zu einer neuen Therapieform: Der monoklonale Antikörper Cetuximab bekämpft den Tumor durch Blockade des Signalwegs am EGF-Rezeptor – eine Ergänzung zu den drei Therapiesäulen Operation, Radiotherapie und Chemotherapie. Aufgrund der pharmakokinetischen Eigenschaften könne Cetuximab – im Gegensatz zu Cisplatin – auch bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion eingesetzt werden. Die Wirksamkeit von Cetuximab bei guter Verträglichkeit wurde in weiteren Studien bestätigt. Die Hinzunahme von Cetuximab zur Radiotherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenen oropharyngealen Plattenepithelkarzinomen führte innerhalb des ersten Jahres nach Behandlung nicht zu einem Anstieg der Verwendung von Ernährungssonden – die die Patienten in ihrer Lebensqualität erheblich einschränken.

Individuelle Belastbarkeit bei Therapiewahl berücksichtigen
Weitere Einschränkungen, die mit der Erkrankung einhergehen können, betreffen das Sprechen, Schlucken oder Schmecken. Zwischen Effektivität der Behandlung und Erhalt der Lebensqualität muss individuell abgewogen werden. „Was gesundheitsbezogene Lebensqualität für den einzelnen bedeutet, kann nicht von außen festgelegt werden“, so Schmalz. „Genauso wie Schmerz ist sie eine subjektive Wahrnehmung, die sich an individuellen Bedürfnissen orientiert.“ Zur Therapieentscheidung sollte neben dem Allgemeinzustand des Patienten und dessen Vorerkrankungen auch die Lebensqualität mit einbezogen werden.

Aufklärung rettet Leben
Die Ausstellung „Patientenbild im Wandel“ wurde von Merck anlässlich eines Jubiläums initiiert: Seit über zehn Jahren engagiert sich das Unternehmen auf dem Therapiegebiet der Kopf-Hals-Tumoren. „Die Mortalität ist bei Kopf-Hals-Tumoren sehr hoch. Bezogen auf die Anzahl der Neuerkrankungen im Jahr versterben 50 Prozent mehr Menschen an Kopf-Hals-Tumoren als am Mammakarzinom und 100 Prozent mehr als am Prostatakarzinom“ , verdeutlichte Professor Kölbl die Bedeutung von Aufklärung und Früherkennung.

 

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